Abgeschickt von Andreas Hofmann am 22 Juli, 2003 um 17:22:12:
Antwort auf: Eine Frage zum ... von Lutz am 20 Juli, 2003 um 17:45:52:
Hallo Lutz,
zuerst mal der Unterschied des V 40 zum 6060.
der Unterschied zwischen diesen Geräten ist schon groß, nicht nur im Grundton. Der V 40 ist aber kein Schönfärber, daher kann es je nach CD, Kabel und Lautsprecher schon etwas nüchtern klingen. Wenn das so klingt würde ich allerdings annehmen dass eine Komponente der Anlage fehl am Platz ist.
Die Annahme dass Röhrengeräte allesamt ahnlich klingen wenn sie ähnliche Eigenschaften besitzen ist als Grundlage unbrauchbar.
Die klanglichen Eigenschaften von Röhrengeräten lassen sich nicht anhand der Ausgangsleistung oder der Endröhrenbestückung festmachen, das sind oberflächliche Verallgemeinerungen.
Zum Wirkungsgrad.
Das ist wirklich ein unerquickliches Thema. Zu diesem Thema in Verbindung mit dem Begriff Kontrolle etc geistern mehr Halbwahrheiten, Annahmen und Fehlinformationen in der Hifi Welt als zu anderen Themen.
1. Der Wirkungsgrad sagt zuerst nichts über die benötigte Endstufe aus.
Welche Endstufe mit welcher Leistung eingesetzt wird hängt primär von der Lautstärke ab die man erreichen will.
Die angegebene Leistung bei Halbleiterendstufen ist oft als Wert zwar beeindruckend hoch, kommt aber in der oft nicht beim Lautsprecher an.
Es lässt sich aber auch bei bestimmten Röhrengeräten eine Diskrepanz zwischen Prospekt und Realität ausmachen.
Der Wirkungsgrad beeinflusst den Klang der Endstufe zuerst nicht, man hat zwar manchmal den Eindruck das derartige LS etwas behäbiger klingen, aber das kann der LS an sich in seiner Abstimmung sein, oder die Endstufe hat ein Problem mit dem LS. Lautsprecher mit niedrigem Wirkungsgrad haben oft komplexe Frequenzweichen mit allerlei Filtern im Bass. Das führt dann zu komplexen Impedanzen mit nennenswerten Phasendrehungen im unteren Frequenzbereich.
Diesen Umstand versucht die Fachpresse mit dem Bedarfsprofil und dem Leistungsbedarf eines Lautsprechers gerecht zu werden.
Daher kommen dann diese eigenartigen Empfehlungen nach dem Motte " braucht eine Endstufe ab 150 W mit gutem Tiefen oder Höhen - Dämpfungsfaktor.
Leider sagt die Leistung und der Dämpfungsfaktor bei einer Endstufe nichts ihre Fähigkeiten an komplexen Lasten aus.
Hier klafft eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Wunsch deshalb : Entwickler und Techniker, die mehr messen als hören, neigen dazu Endstufen mit hohem Dämpfungsfaktor und mit hoher Grenzfrequenz als theoretisch besser und damit auch als objektiv besser einzustufen. In der Praxis kommen manche dieser Endstufen aber schon an vergleichsweise normalen Lautsprechern in Bedrängniss, bzw. es klingt eher undynamisch , bei höheren Pegeln verschwindet der Grundton völlig, das ganze klingt nervig und angestrengt. Da dies theoretisch nicht sein kann wird in der Regel dem Lautsprecher die Schuld gegeben.
Es bleibt meines Erachtens nur übrig diese Hinweise oder Empfehlungen komplett zu ignorieren.
Ich will natürlich niemand von der Dämpfungsfaktorfraktion auf die Füße treten, aber um die Interaktion Lautsprecher - Endstufe allgemeingültig zu bestimmen fehlen bis jetzt immer noch brauchbare und reproduzierbare Parameter.
Die wird es wahrscheinlich auch nie geben, das klangliche Ergebniss wird immer subjektiv bewertet.
In Bezug auf Octave Endstufen bin ich der Ansicht das es mir gelungen ist Endstufen zu konzipieren die klanglich ehrlich ,also im positiven Sinne neutral, klingen oder spielen. Sie behalten Ihre Klangeigenschaften auch an schwierigen Lautsprechern an denen andere Endstufen eher langweilen.
Das langt für heute.
Viele Grüße
Andreas Hofmann