Audio Research versus oder plus Octave ?


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Abgeschickt von LoLo am 12 August, 2007 um 14:49:49:

Hallo germanische Octavianer,

auf Dienstreise in USA habe ich mich im touristisch wenig attraktiven Detroit am Wochenende ein wenig durch die amerikanische Hifi-Szene gehört. Ein Laden namens Audio Dimensions mit einem Verkäufer, der viele Jahre im Geschäft ist und mir alles demonstriert hatte, was er so besitzt....

Folgende Anlage war das absolute Highlight:

Oracle Delphi mit Graham-Tonarm und Benz Ruby (I oder II), Audio Research PH5 Phonopre, Audio Research Ref 3 Vorverstärker und ARC Röhrenendstufe der teuren Art . Das ganze an "Vanderweet" bzw. Vandersteen-Boxen. Kabel usw. natürlich optimiert.

Anfänglich klang das ganze etwas lust- und kraftlos, da die Röhren nicht warm waren. Als wir dann aber eine geniale Earl Hines-Aufnahme hörten traf mich der Blitz! So etwas hatte ich bis dato noch nicht gehört...

Das Klavier schälte sich unabhängig der Sitzposition und Konzentration auf den Klang von den Lautsprechern ab und stand wahrhaftig im Raum. Die Feindynamik wirkte so real, daß man jeden Anschlag der Tasten absolut differenzieren kann und hinter jedem Ton die Anwesenheit von Fatha im Raum vermutet. Unglaublich!
Bass und Schlagzeug sind deutlich im Hintergrund (wo sie ja auch hingehören) und nerven nicht durch vordergründige Effekthascherei (oder Geklirre à la T+A). Das einzige Manko der Darstellung war, daß der Kontrabass etwas wenig Tiefgang hatte. Ansonsten habe ich noch nie so eine wunderbare Performance in Sachen Klavier gehört. Es ist wie bei einem großen Wein (z.. Haut-Brion)... ich habe den Nachgeschmack noch immer in den Ohren und suche das ganze Internet nach dieser Aufnahme von Fatha ab, obschon ich mir sicher bin, daß es bei mir nicht so beeindruckend klingen wird.

Welche Komponente nun für diese geniale Vorstellung verantwortlich ist, kann ich leider nicht eruieren. Die Abstimmung der gesamten Kette ist wahrscheinlich perfekt. Hardrock würde ich allerdings mit dieser Kette nicht hören wollen.

Anschließend eine Original-Verve-Aufnahme von Coleman Hawkins encounters Ben Webster. Wieder diese vervende Art wie sich die Saxophone aus dem Geschehen herausschälen, herrlich. Der Hörer also ich wird auf das wesentliche hingewiesen, ohne den Rest dafür wegschenken zu müssen. Bei Lightnin´ Hopkins Goin´ away-Scheibe dann die Stimmenwiedergabe und ich denke unwillkürlich an Hugh Johnson, den Weinkritiker (-Liebhaber würde er wohl lieber hören). Es gibt zahlreiche Weinkritiker insbesondere in den USA, die jeden Wein in eine 100-Punkte-Skala pressen und damit leider die aktuellen Marktpreise und - noch schlimmer - das Konsumentenverhalten stark beeinflussen. Ein Wein ist aber keine physikalisch messbare Größe. Hugh Johnson hingegen ist eine gute Wertung der Verzehr einer ganzen Flasche, eine schlechte Wertung das Stehenlassen eines Glases und die beste Wertung logischerweise der Kauf des gesamten Weinbergs... Und beim Lauschen der alten Bluesstimme stellte sich unwirklich das "Haben-wollen" ein. Und schon suche ich nach der ersten Kiste dieser Musik in Form des Phonpres.
Für 2000$ (was mir für eine gute Phonostufe realistisch vorkommt) könnte ich eine mitnehmen. Glücklicherweise wies er mich auf die andere Spannung hin; hätte ich in meinem Suff fasst vergessen und das Teil prompt mitgenommen. Nach dem Ausnüchtern stellte ich mir die Frage nach einem Service, gerade bei Röhrennachschubbedarf, und ob ich die große Kiste wirklich einchecken kann; sieht ja nicht gerde harmlos aus für amerikanisches Sicherheitspersonal.

Nachdem ich Blut geleckt habe, die Frage, was Ihr in Verbindung mit dem V40 an Phonostufen habt und ob die Mischung Audio Research und Octave passt.

Wie seht Ihr den Unterschied der Verstärkerphilosophien?

Herzliche Grüße aus den Staaten,

LoLo




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