Wer die Wahl hat, hat die Qual...


[ Antworten ] [ Ihre Antwort ] [ Forum www.octave.de ]

Abgeschickt von Nicki am 17 Dezember, 2005 um 14:54:12

...oder die Einsicht, dass das Leben einen einzigen Kompromiss darstellt.

Ich bitte unten stehende Zeilen als rein subjektiven Erfahrungsbericht anzusehen, der ganz allein meine persönlichen Höreindrücke wiedergeben soll; nicht mehr und nicht weniger.

Weder sollen hier Marken/Hersteller beworben bzw. favorisiert werden. Die Intention des Berichtes möge lediglich als Orientierungshilfe verstanden werden, um das wirklich diffizile Thema "LS-Wahl" unterstüzend zu begleiten.

Seit ca. einem dreiviertel Jahr bin ich auf der Suche nach neuen Spielpartnerinnen, gemeint sind
Lautsprecher, die mit meinen V40 harmonieren, und
meine alten T+A's ablösen sollen. Des Weiteren sollen sie in der Lage sein auch noch nach Jahren Freude zu bereiten.

Der Hörraum ist mit ca. 24qm (4,43m x 5,42m) als eher nicht groß zu bezeichnen und ist möbliert. Die Schallwand ist eine der beiden Längswände und der LS-Abstand untereinander beträgt ca. 2,35m Mitte/Mitte gemessen. Die Hörposition liegt ca. 2,55cm von der vertikalen Mittelachse der beiden LS entfernt; mittig versteht sich. Positionierung der LS liegt bei
ca. 20cm Wandabstand und minimaler Ausrichtung zum Hörplatz hin.

Über Cabasse Altura, Audio Physic Virgo, B&W 804 bin ich schließlich bei der recht neuen Sonus Faber
'Domus Grand Piano' gelandet. Ein wunderschön verarbeiteter LS, der rein optisch schon zu gefallen weiß. Klanglich ist die SF 'DGP' ebenfalls ein Genuss
und vermag es wunderbar Stimmen zu zeichnen. Ob Männlein, wie Weiblein, ob José Cura, Pavarotti aus besseren Tagen, ob Cecilia Bartoli, oder die Netrebko. Wunderbar auflösend - bei guten Aufnahmen hörte man
deutlich das Pressen der Lippen; feinsinnig aber auch durchaus kraftvoll. Das Gleiche mit den üblichen Verdächtigen aus einem ganz anderen Genre. Ob Katie Melua, oder Norah Jones, einfach klasse! Doch das war es auch schon und Ernüchterung machte sich breit. Die DGP ist mit ihrerer Abstimmung, gerade im Fluß des Mitteltöners zu den Basschassis, nicht in der Lage
Instrumente authentisch darzustellen. Sicher, es hört sich gut an, aber Violinen werden schnell nervig,
im orchestralen Verbund als Streicher wirken sie zuweilen quiekend und ein langzeitiger Hörgenuss ist ausgeschlossen. Das Gleiche passiert mit Solointerpreten (instrumental) vom Schlage z.B.eines Paco de Lucia. Sicherlich eine anspruchsvolle klassische/spansiche Gitarre, auch harte und irre schnelle Läufe, jedoch lebt das Instrument nicht. Der Schalldruck aus dem Schalloch des Instrumentes geht unter und das leichte Anreissen der Finger im Wechselschlag auf den Saiten verschwimmt. Eine räumliche Tiefe ist zwar wahrzunehmen, aber sie wird nicht mit Leben erfüllt. Eins muß man der DGP attestieren. Sie ist schnell, verdammt schnell. Aber leider reicht das nicht aus, um in einer längeren Partnerschaft zu bestehen. Kurzum, ob Pop oder Klassik, es fehlt das Herz. Einzig Stimmen, ob Solo oder Duette, gerade in Bezug auf Arien, wissen wirklich zu gefallen.

Enttäuschung machte sich breit und nach einem weiteren Gespräch mit meinem Händler schnitt dieser abermals das Thema Bowers u. Wilkins an. Er wußte doch, dass ich bereits eine 804 gehört hatte gab mir jedoch zu bedenken, dass der seinerzeit gehörte LS die ältere Version gewesen sei. Seit diesem Jahr gäbe es die Nachfolgerin mit der Erweiterung 'S' und diese würde
sich deutlich von dem klanglichen Charakter der alten 804 unterscheiden.

Die 804 würde nicht mehr produziert und die aktuelle 804S hätte er jetzt als Leih-LS auch im Vorführraum. Ich war nicht gerade überzeugt, jedoch ließ ich mir auf Anraten hin die 804S anliefern, um sie hier vor
Ort Probe zu hören. Dies hier ist ein subjektiver Erfahrungsbericht und soll es auch bleiben.
Schwelgen, wie ich schon einmal weiter unten in diesem Forum geschriebebn habe, finde ich unseriös. Bedauerlicherweise ist das bei vielen so genannten Fachmagazinen Programm und die Objektivität leidet enorm darunter. Aber das ist ein anderes Thema.

Kurzum, mein Händler hatte nicht übertrieben und ich bin ihm dankbar dafür, dass er mich zum erneuten
'Abenteuer' B&w überreden konnte. Das was die alte 804 nicht konnte, nämlich adäquat auflösen, dies ist
mit der neuen 804S kein Thema mehr. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass das klanglich so ein gravierender
Unterschied sein kann. Zumal die LS äußerlich sich wie eineiige Zwillinge gleichen. Bass konnte B&W
irgendwie schon immer. Aber nun hat der Bass, neben 'nur' Prägnanz, auch an Darstellung gewonnen
und Töne, die in der Vergangenheit schlichtweg nicht mehr zuzuordnen waren, kommen nun klar und ortbar am Ohr an. Gerade im Zusammenspiel mit dem V40 macht dieser LS wirklich immensen Spaß. Die 804S hat den typischen 'wärmenden' Charakter behalten ohne jedoch lahm zu wirken. Sicherlich kann die B&W nicht mit der Geschwindigkeit einer SF DGP mitahlten. Aber das muß sie auch gar nicht. Doch von Trägheit keine Spur und mit dem Röhren-Analytker V40, Herr Hofmann wird mir diese Begrifflichkeit sicher nachsehen, wirklich ein flottes Gespann. Und das B&W Druck machen kann ist bekannt. Aber erfreulich ist, dass auch bei höheren Pegeln, Pegel die wirklich auf die Lautstärke bezogen kaum hörbar sind, die Auflösung erhalten beleibt. Hier wird sauber getrennt, die Übernahmen der Chassis funktionieren tadellos und ein Verzerren ist nicht zu vernehmen. Aber aus meiner Sicht das größte Kompliment an die neue 804S ist, dass sie die Instrumente kennt. Ob Oboe, Querflöte (Piccolo), Violine, Klarinette, Kontrabass (Bratsche), Paukenfelle, Becken, oder auch Gibson Les Paul/ES/SG und all die Tele- u. Stratocasters von Fender. Die Instrumente klingen authentisch. Und das ist ebenfalls enorm wichtig. Das Einzige was der B&W nicht so schmackhaft ist, sind extremere Stimmen. Arien mit oben genannten Künstlern klingen sehr gut, aber eben nicht exzellent. Obwohl auch hier enorm an Auflösung zugewonnen wurde, gerade in der Abstimmung des sickenlosen Mitteltöners, welcher der B&W eigen ist. Hier kommt die 804S nicht auf das Niveau der SF DGP. Das kann die Italienerin ein Stück besser. Aber das war es auch schon. Und ich gebe gerne zu, dass ich durchschnittlich eher mal einen älteren Silberling von Tracy Chapman in der CDP-Lade liegen habe, als Opernarien zu geniessen,was sicherlich auch vorkommt. Aber Stimmen im Bereich Soul, R&B, Gospel und Pop sind mit der B&W ein Genuss.
Ob Liedermacher vom Schlage eines Reinhard Mey, oder die 'Bar-Musik' der bereits weiter oben erwähnten
Musikerinen Melua/Jones bildet dieser LS wunderbar ab. Wesentlich entspannter als die SF DGP. Übrigens, gerade ältere, nicht so dynamisch aufgenommene CD's aus den 80ern hören sich auf der 804S überraschend gut an - bei dem Zuspieler von Verstärker kein Wunder...
;-)

Alles in allem ist die Symbiose V40 + B&W 804S für mich stimmig und gewährleistet wohl über Jahre hinaus,
bezogen auf meine Anwendung, ein großes Maß an entspanntem Musikgenuß. Deshalb habe ich mich für diesen LS entschieden.


Liebe Grüße
Nicki







Antworten:



Ihre Antwort

Name:
E-Mail:

Subject:

Text:

Optionale URL:
Link Titel:
Optionale Bild-URL:


[ Antworten ] [ Ihre Antwort ] [ Forum www.octave.de ]