Abgeschickt von Siegfried von Känel am 27 November, 2002 um 14:26:52
Hallo Herr Hofmann,
erst seit kurzem kenne ich Ihr Forum und finde dieses interessant und hilfreich, da hier wirklich Tipps und Empfehlungen vom Praktiker kommen. Ich finde es darüber hinaus sehr gut, dass Sie sich persönlich die Zeit nehmen, und sich direkt der Fragen der - m.E. ständig im Steigen inbegriffenen Anzahl - der Röhrenliebhaber annehmen. Röhrenliebhaber hört sich so nach der Pflege eines (verstaubten) Reliktes an; eigentlich sind diese Hörer m.E. die "Erleuchteten", denn sie hören weniger "technisch" als vielmehr emotional und suchen die "Seele" in der Musik. Wer einmal die klanglichen Vorzüge einer Röhre zu schätzen gelernt hat, kommt kaum wieder davon los. Einzig der Forderung nach einem "Wahnsinns"-Bass mit "Schwärze" kommt der Transistor m.E. eher nahe als die gute Röhre. Allerdings kann dieses "Manko" durch einen aktiven Subwoofer, insbesondere bei Betreiben von Kompaktlautsprechern ( konkret: JMLab Mini Utopia ) gut kompensiert werden.
Ihre Produkte, nämlich die Octave Röhrenverstärker, sind mir allerdings aus verschiedenen (guten) Testurteilen aus den einschlägigen deutschen HiFi-Blättern schon länger ein Begriff. Hatte allerdings bis dato noch nicht das Vergnügen, mir persönlich ein Bild, resp. "Ohr", davon zu machen. Vielleicht nehme ich einmal einen Hörtermin bei HiFi Kemper in Ulm oder H.Wittmann in Stuttgart wahr. Ich wohne übrigens im Bodenseeraum.
Warum wende ich mich heute an Sie in Ihrem Forum ?
Ich besitze seit ca. 5 Jahren einen Audio Research Vollverstärker, genau den CA50, mit einer Ausgangsleistung von ca. 2x 45 Watt Sinus. Mein Thema ist die optimale Röhrenbestückung für dieses Gerät. Optimal heißt für mich eine Auswahl mit höchster Priorität auf den Klang und in 2. Priorität auch auf Langlebigkeit und Beständigkeit.
Serienmäßig wird der CA50 mit vier (4) Sovtec 6922 ( 2x Vorverstärkung, 2x Treiber ) und vier (4) Svetlana 6550C Röhren ( matched pairs in push/pull ) ausgestattet. Der CA50 war der bislang einzige Röhrenvollverstärker von ARC ( wohl als Wettbewerbsprodukt u.a. zum CJ CAV50 auf den Markt gebracht ) ; ist aber wg. zu geringer Nachfrage wieder seit ca. einem Jahr aus dem Programm genommen worden.
Ich habe mittlerweile den 3. Röhrensatz ( zumindest, was die 6922 Röhren betrifft ) - jeweils original von ARC bezogen - im Einsatz. Was mich wundert beim Tauschen des letzten Satzes der 6922, war der frühe Zeitraum des Wechsels. Es vergingen lediglich ca. 700 Betriebsstunden vom letzten Röhrenwechsel ( April 2001 ) der 6922 bis das Klangbild wieder verstärkte Neigung zu einem Mangel an Wärme und eher harschen Höhen und "dünnem" Klangbild zeigte. Als "Übeltäter" gelten lt. ARC, Minnesota USA, die Sovtec 6922 und nicht die 6550C. Das hat mich insgesamt doch gewundert, da die Vorverstärkerröhren i.a. als Röhren mit höherer Lebensdauer im Vergleich zu den Endstufenröhren ( hier Svetlana 6550C ) gelten. Der Wechsel der 6922 brachte zumindest kurzfristig eine Besserung. Manchmal beschleicht mich aber auch der Verdacht, dass die zur Verfügung stehende Netzspannung zubestimmten Tages- und nachtzeiten, also der "saubere Strom", einen starken Einfluß auf den Klang der "Röhre" zu nehmen scheint. Das nächtliche Hören - wann immer sich dazu als Berufstätiger die Zeit anbietet - bringt m.E. die tiefsten Klangerlebnisse. Aber das Thema Strom ist ein anderes Thema.
Nun stellt sich mir die Frage, welche Röhrentypen, resp. Pendants, ich zukünftig im CA50 verwenden soll. Im amerikanischen www.audioasylum.com ( "tubes" ) werden die 6922 oftmals klanglich als nicht die besten ihrer Gattung beschrieben, besser seien u.a. die Amperex bugle boy etc.. Es gibt da auch "Joe's Tube Lore" im Internet, wo zahlreiche 6922 Penadants im Hörvergleich gegengecheckt wurden. Ich glaube die o.g. Amperex und Mullard Röhren kamen dabei am besten weg.
Bei den Pendants zu den 6550C kämen die KT88 oder KT90 ( 3. Generation ) in Frage. Generell gibt es die 6550 von Svetlana - eben als 6550C - oder auch von Sovtec, als 6550WE, oder auch von Ruby Tubes die Svetlana 6550C ruby tubes. "Böse Zungen" wiederum behaupten, dass die ruby tubes lediglich nachselektierte ( "rausgewühlte" ) Svetlana 6550C's aus dem Svetlana Ausschusskontingent wären.
Es wurde mir auch schon als Pendant zu den 6922 die 6H23 empfohlen, im Verbund zusammen mit den Sovtec 6550WE. ARC selber rät allerdings von den 6H23 ab, da die Betriebsfaktoren unterschiedlich zu den 6922 seien und die Gefahr der Beschädigung des Netzteils, bzw. der Wicklung des Trafos bestünde.
Darüberhinaus gibt es natürlich noch - sowohl für den Vorverstärker/Treiber- als auch Endstufen-Strang - die berühmten, aber auch entsprechend teuren NOS Röhren von Telefunken, SIEMENS, WE oder GE oder ...
Die EL34 wiederum werden tw. als "musical poor" beschrieben, andererseits würde sie ein gut definiertes, straffes Bassverhalten - der Lautsprecher "hängt quasi gut am Gas" - im Zusammenspiel mit manchen Lautsprechern zeigen. So hat z.B. auch Holger Barske im STEREO annodazumal ( ich glaube im Heft 2/99 ) dem Octave V50 mit black box ein gutes Urteil im Zusammenspiel mit der JMLab Mini Utopia bescheinigt. Genau die Mini Utopia betreibe ich übrigens Zuhause am ARC CA50 Vollverstärker.
Für einen Röhrengerätebauer ist natürlich die Verfügbarkeit und Serienkonstanz von Röhren besonders wichtig. Ich vermute, dass aus diesem Grunde auch ARC auf die 6922 in ihren Geräten zurückgreift. Diese erfahren übrigens lt. ARC eine sehr strenge Selektion und die Ausschussrate sei entsprechend hoch ( bis zu 50 % ). Das die Röhren-Ersatzteilpreise bei ARC nicht gerade als Schnäppchenpreise zu bezeichnen sind, dürfte allgemein bekannt sein.
Es würde mich freuen, wenn Sie mir- als erfahrener Röhrenverstärkerbauer und wohl auch Musikhörer - die eine oder andere Empfehlung hinsichtlich Röhrentype und deren Klangeinfluß geben könnten. Es handelt sich zwar bei dem Audio Research Amp nicht um einen Spezies aus Ihrer Fertigung und man möchte anderen Herstellern auch nicht ins Handwerk pfuschen oder gar "in die Suppe spucken" aber die Frage der Röhrentypen dürfte doch eher allgemeiner Natur sein. Wenngleich die Verschaltung der einzelnen Röhren im jeweiligen Verstärker auch klangrelevant sein könnte/dürfte.
Eine lange mail, ja Brief ist es geworden. Tut mir leid ...
Mit "röhrigen" Grüßen
Siegfried von Känel
P.S. Ich höre übrigens besonders gerne Schallplatte und meine, dass sie in den meisten Fällen klanglich zufriedenstellender als die CD daherkommt.