Abgeschickt von Lutz Krämer am 19 September, 2003 um 21:45:56:
Hallo liebe Octave-Fans,
Nun zum (vorerst) letzten Teil meiner “Auswahl-Hearings”.
In München mit etwas Urlaub und Zeit gesegnet, aber leider wenig vorausschauend, gings zu einem renommierten high end-Händler mit Zufriedenheitsgarantie.
Dort angekommen, nein, CDs hatte ich keine eigenen dabei, wurde ich gleich ins kleine Studio gebracht, um einen interessanten Vergleich zu hören. Endlich konnte ich die Dynaudio S5.4 gegen die Cremona hören. Und als (fast) lachender Dritter gesellt sich die HGP Corda hinzu.
Im wenig sortierten CD-Programm des Händlers fand ich Oscar Peterson´s Request-Scheibe, die immer wieder begeistert, etwas Grieg für die klassische Disziplin, John Lee Hooker und Van Morrison in der blues und rock-ecke und Holly Cole in der audiophilen jazz-ecke.
Also los ging es und die Cremona begeisterte am V40 vom ersten Ton an. Der neutrale Accuphase-Player, die Fadel Reference-One NF-Kabel und die Kimber KS für die Boxen waren angenehme Spielpartner;-) (Audioplan-Netzkabel und –Leiste sind ja eh gesetzt...)
Mit dem V40 war die Cremona in dieser Kombination ungemein sauber und frisch; trotz der vermuteten Wärme war hier alles am rechten Fleck. Der Lautsprecher scheint, wenn man sich die Testergebnisse mal alle durchliest, eine Diva zu sein. Mal bassbetont, mal asketisch, mal warm, mal monitorhaft! Also ist die Elektronik von großer Bedeutung und was der Lua nicht kann, ist für den V40 kein Problem. So saubere und präzise Bässe aus der Cremona zu locken ist große Klasse. Ray Brown spaziert schnurgerade vor einem her, nicht aufdringlich aber präsent! Ich wollte ihm meine Visitenkarte zustecken, aber er spielte einfach weiter... Bei Holly Coles neuer Scheibe zeigt sich die ganze Klasse bereits im ersten Song. Detailreichtum ohne zu nerven, tiefste Bässe, präzise und schöne Grundtöne. Saubere Hochtöne ohne jegliche Strenge, ungemein räumlich... Besser geht’s nimmer, oder?
Die Dynaudio konnte zwar bei Griegs Erzählungen viel Tiefe und einen großen Saal hervorzaubern, aber sie ist eben etwas kühler und dezenter. Die Dänin gibt nicht an, sie brilliert beim dritten hinhören. Vielleicht die „perfektere“ Box? Mir fehlt etwas der Funke, der überspringt. Man vergleiche mal die Studio-Aufnahmen von Springsteen mit seinen Live-Konzerten... die Dynaudio ist hier die Studiobox, die Cremona spielt live. Und der V40? Na, er hat mit beiden kein Problem und stellt sich in den Dienst des Brunnenmeisters, der sauber seine Abnehmer beliefert.
Zuletzt hatte die etwas günstigere HGP natürlich einen schweren Stand und kam auch nicht ganz an das gehörte heran. Wie gut aber die HGP mit dem V40 harmoniert, möchte ich noch einmal betonen. Ähnlich wie die KEF 203 (zwei Wochen später in Berlin gehört) gibt sie vom ersten Ton an richtig Gas. Mit (guten!) Röhrenverstärkern geben diese Federgewichtsringer eine super Figur ab. Hohe Wertungen, die ein Transistor vielleicht glattbügelt. Auf jeden Fall eine überraschend tolle Kombination, die der Dynaudio S3.4 sicher voraus war, aber nicht die Breite der S5.4 bietet. Muß sie zu diesem Preis aber auch nicht (man merkt mir jetzt sicher die Qualheimat an).
Und die KEF? Modern, locker und leicht, in, voll da, aber in Sachen Stimmen und Klangfarben kommt sie an die Cremona nie und nimmer ran. Mag sie auch etwas besser auflösen, ich stehe auf Live-Jazz ;-)
So habe ich mich nun denn für die Cremona als Sprachrohr für den V40 entschieden und empfehle jedem, dies einmal anzuhören. Mit den erstandenen HMS Fortissiomo ergibt das ein sehr sauberes Klangbild, das trotzdem wohlige Clubatmosphäre versprüht. Herr HJS hat wohl allen Weichmachern den Kampf angesagt, bravo!
Also wieder ein Lob von einem mehr als begeisterten Kunden, der gerade erst anfängt, ein neues Hobby zu entdecken. Gerade bastelt er ein Rack zur Entkopplung (beim Glasrack leiert der Thorens erbärmlich) und freut sich, wenn Herr Hofmann beschließt, einen CD-Player auf den Markt zu werfen...
Viele Grüße von einem Exil-Badener,
it don´t mean a thing if it ain´t got that swing,
Lutz.