Test Nr. X: V40 und Sonus Faber Cremona


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Abgeschickt von Lutz am 12 August, 2003 um 09:32:13:

Hallo,

da bin ich wieder mit dem nächsten Test. Endlich konnte ich den V40 auch mal an den Cremonas von Sonus Faber hören. Nachdem ich die Boxen zuletzt an einem Lua 6060 Diva gehört hatte und das ganze als etwas unpräzise empfand nun der (für mich vor)entscheidende Test.
Um es vorwegzunehmen: Vom ersten Ton an, war dies eine vielfach bessere Kombination und Herr Hofmann verdiente bereits nach wenigen Minuten hohes Lob. Die zu weiche Zeichnung des Lua, das Warme, ja fast homosexuelle Klangbild ;-) vom letzten Mal war verschwunden. Vielmehr war auf einmal zu hören, welch feinen Hochtöner die Cremonas da mitgeliefert bekommen. Richtig vom V40 angesteuert, spielte Sonus Faber hier auf hohem Niveau und das nicht nur optisch. Der erfahrene Verkäufer südlich von Stuttgart erzählte mir, daß er den V40 sogar schon mit einer Amati verkauft hätte, na wenn das kein Lob ist.
Musikalisch gings erstmal durch akustische Disziplinen. Wie sauber der V40 Kontrabasslinien zeichnet und Gitarrenklänge naturgetreu auflöst, war mir bereits von der Kombination mit der Dynaudio Contour S5.4 bewusst. In dieser Kombination war die Basslinie zwar nicht ganz so präzise wie bei den Dynaudios, aber mit etwas mehr Volumen und einem Schuß Wärme (aber ohne Weichspüler) durchaus auf der wohligen Seite. Die cremige Stimme von Norah Jones wurde noch erotischer als je gehört. Italienische Sinnlichkeit mit deutscher Präzision, keine schlechte Kombination. Einzig im Mitteltonbereich fehlt ein bisschen die tonale Ausgewogenheit der Contours. Die nächste Disziplin dann klassische Jazz-Trios. Ein Klavier klingt mit dieser Kombination einfach wunderbar. Der drive eines Oscar Peterson bringt die Kombination niemals in Verlegenheit, den Hörer aber nahe an die Gänsehaut. Bei den phantastischen "Requests" zupt und streicht Ray Brown seinen Bass, so daß Butter und Hörer im heißen Hörraum wegschmelzen. Ed Thigpen ist etwas weiter hinten links angeordnet, die Triobühne ist klar ausgeleuchtet. Er hält sich vornehm zurück und unterstützt das rollende Klangbild mit perkussiven Akzenten.
Dann etwas funkiger und rockiger und hier zeigen die Cremonas mit V40 gegenüber dem Lua nun eindeutig wo´s langgeht. Steely Dans pointierte Spielweise gerät nie ins nervige, nie ins wankende. Immer ein voluminöses Fundament, daß viel gute Laune versprüht und ein fein ziselisierender Hochtöner, der Becken von Steve Gadd wunderbar in den Raum stellt. Übrigens erscheint das ganze sehr aufstellungsunkritisch, trotz der geneigten Auftstellung. Auch lautere Gitarrenriffe mit Bläsersetzen unterstützt zeichnet der V40 ohne Mühe in den Raum. Die Cremonas freuen sich über den Stromversorger und danken es mit knackigen Akzenten. Besonders möchte ich noch einmal hervorheben, wie gut die Kombination vor allem ganz leise klingt. Hier sind die Röhren wohl voll im Vorteil, denn das Klangbild ist komplett und lässt sicher im Wohnzimmer gute Stimmung aufkeimen, wenns eben nur Hintergrundmusik ist.
Bei Bob Schneiders rockigeren Titeln von seiner phantastisch abwechslungsreichen CD wird dann aber doch klar, daß die Cremonas nicht unbedingt Metal-Boxen sind. Hier fehlt dann etwas die Präzision bei hoher Last und die erdige Dreckigkeit, die einer T+A nachgesagt wird (audio). Aber anhörbar ists natürlich schon!
Daher die nächste Disziplin: Wieder muß der Rachmaninov zeigen, was klassisch so alles hergeht. Hier hatte mir der Lua am besten gefallen, war doch ein Orchester ein vom Bass her aufgebautes Ganzes mit wohliger Wärme. Aber mit der strafferen Gangart des V40 war auch hier wieder mehr Differenzierung möglich. Das Klavier steht vor dem Orchester, doch im Mitteltonbereich kommt die Kombi wieder nicht ganz an die neutralen Dynaudios heran. Bei Kammermusik ist diese Kombi wahrscheinlich unschlagbar, bei großen, vollen Orchestersäälen ist die Contour/V40-Kombi im Vorteil.

Fazit: Der V40 ist wirklich ein exzellenter Verstärker, dem man nach eigenem Geschmack die Holzkisten beimengen sollte. Für mich bleibt nun die Qual der Wahl zwischen italienischer Schönheit gepaart mit emotionaler Spielweise und Charme und der tonal ausgewogeneren, aber vielleicht etwas coolen Dänin. Eigentlich eine schöne Aufgabe! Danke, Herr Hofmann, für den Einstieg in die High-End-Welt (aber laufen Sie bloß nicht meiner Verlobten über den Weg...)


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