Octave V 40 Superstar ... Boxen


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Abgeschickt von Lutz am 13 Juli, 2003 um 21:56:01:

Hallo,

letzte Woche durfte ich bei einem sehr freundlichen und kompetenten HighEnd-Händler ein paar interessante Stunden durchleben. Bei meiner Suche nach der richtigen Box zum V40 habe ich nach Audio Physic Virgo III nun auch Dynaudio Contour und B&W Nautilus lange angehört. Hier meine laienhafte, subjektive Rezension, die aber vielleicht doch dem ein oder anderen hilft...

Dem V40 war ein Revox CD (ca. 900 €), Fadel-Stream-Boxenkabel und ein Fadel-Netzkabel an einer Fastaudio-Leiste vorgeschaltet. Eine angemessene und nicht übertriebene Kette.

Das Duell: B&W Nautilus 803 gegen Dynaudio Contour S 3.4

Ein interessanter und langwieriger Vergleich, der deutlich zeigt, dass es keine Gewinner und Verlierer gibt, nur verschiedene Geschmacksrichtungen, die Einstellung zum Anspruch und den Kompromiss.
Auf der einen Seite zeigt sich die B&W wie ein Spaßlautsprecher in beiden Sinnen des Wortes. Sie zaubert Ella Fitzgeralds Stimme vor ein sattes Basie-Orchester und holt alles aus der alten Aufnahme heraus. Das Schlagzeug von Sonny Payne ist klar brilliant und zappelt einem direkt vor der Nase herum, kurz: sie offenbart alles. Das besticht auf Anhieb, könnte nach einigen Jahren aber nerven. Für drummer eine super High-Hat-Box ;-) Bei Norah Jones kommt die Stimme klar und wieder ein deutliches Besenschlagzeug. Der Bassist rückt etwas in den Hintergrund. Der Attack bei Fusion, Funk und Soul dann gut und schnell; der Octave heizt mit der B&W mächtig ein.
Die Dänin (Contour S3.4) dagegen wärmt einem das Herz von innen heraus. Ein Traum in Sachen Luftigkeit und Gemüt. Eine understatement-Vorstellung par excellence. Norah Jones wirkt so sicher und nahezu erotisch wie nie zuvor. Die Trio-Begleitung ist perfekt dahinter und daneben aber nicht davor. Die Stimme rückt also dahin wo sie hingehört, der drummer nervt den Pianisten nicht. Wesentlich ausgewogener als die B&W und weniger vordergründig scheint hier der Kampf zu Gunsten der Dynaudio zu gehen. Doch dann gehen die Kompromisse auch schon los. Füttert man die Dynaudio nicht mit erstklassigen Aufnahmen, klingt Ella doch viel blechiger als in Natura oder auf der B&W. Die orchestralen Attacken sind ein Tick zu weit hinten. Steely Dans Aja hingegen musiziert in aller Breite und Tiefe.
Andere Disziplin: Solopiano, hier wirkt die B&W effekthaschender, die Dynaudio bringt mehr natürliche Klangfarben ins Spiel und lässt einen bei den Aufnahmen verharren... Und so ging es noch eine Weile weiter, bis ich mir dachte: eine Mischung aus beiden wären der beste Kompromiss.

Bin ich zu perfektionistisch oder sind mir die vielen Euros einfach mehr wert als ein fast perfektes Hörerlebnis?
Bei der Virgo III war alles ganz anders. Die Box bringt noch viel mehr Räumlichkeit und Präzision aber mir fehlt ein bisserl das Fundament; liebe ich doch die tiefen Octaven auf dem Flügel mehr als den Diskant!

Die Entscheidung in dieser Preisklasse bringt dann klar die Klassik! Rachmaninovs Symphonien schmettert die B&W vollkommen lieblos in den Raum und scheidet aus dem Contest aus. Prima für Rockfans, nichts für mich (als Jazzhörer). Die Virgo spielte dabei herrlich frisch und facettenreich, vielleicht etwas zu analytisch und die Dynaudio kommt hier erst richtig in Fahrt. Das Orchester verschmilzt zu einem Hörerlebnis und bleibt doch räumlich klar getrennt. Klingt etwas komisch und widersprüchlich, ich weiß, aber wie soll ich das Gehörte beschreiben...?

Doch das letzte Quäntchen, die Souveränität, eine Alleskönnerbox, die Fähigkeit aus einer alten Aufnahme ein Erlebnis zu machen... da fehlt auch der S3.4 noch einiges. In Sachen Aufstellung waren die drei zwar nicht besonders kritisch, aber auch nicht ganz unkritisch.
Daher die Idee, auch die Contour S5.4 in voller Größe noch dazuzunehmen und dann...potzblitz! Das ist Musik-Hören!!!
Meine absolute Favoritin, die große blonde, langbeinige Dänin. Alles was der 3.4 fehlt, kommt hier wie Wogen der Wärme auf der Hörer. Bei manchen Stücken bekam ich echte Gänsehaut, so gut klang die Box! Aus der Hymn to freedom von Oscar Peterson machte sie eben genau das: eine Hymne der Freiheit! Genial, wie schön Bass, Schlagzeug und Klavier harmonieren. Auch der V40 scheint mit der Wirkungsgradunkritischeren Box wesentlich besser zurechtzukommen. Die Frage, ob sich die Mehrinvestition lohnt drängt sich also gar nicht auf: sie ist obligatorisch!!! Eine ideale Kette, bei der das am V40 ersparte (im Vgl. zur Konkurrenz gleicher Güte) in die Boxen fließen sollte!
Am Ende nochmals Rachmaninov; da wollte ich den Hörraum gar nicht mehr räumen und habe mich bereits entschieden: etwas sparen und dann den V40 mit der 5.4 kombinieren. Und das Beste: meiner Verlobten gefällt sogar die Optik... na wenn das mal kein gutes Ohm, äh, Omen ist ;-)

Zuletzt noch ein paar Fragen an meinem langen aber gänzlich unvollständigen Bericht:

1. Wäre es nicht sinnvoll, das Forum in Unterpunkte zu gliedern? z.B. V40, V50, Röhrentausch, sonstiges, etc.
Macht sicher nicht viel Arbeit und man könnte viel schneller nach interessanten vergangenen Beiträgen suchen... (die Seite braucht auch lange zum Aufbau)

2. B&W wird so oft genannt... nach meinen subjektiven Höreindrücken würden mich andere Empfehlungen mal sehr interessieren (wer hat schon mal V40 mit Cabasse ausprobiert) oder so was.

3. Kann man Röhren auch versuchshalber tauschen? Meine EL34 sind ja nun funkelnagelneu, aber ich würde auch die KT88 mal gerne Probe hören, gibt es da eine Möglichkeit, ohne dass man gleich wieder viel Geld ausgeben muß bevor man entscheidet?

Das wärs fürs zweite,
viele Grüße und hoffentlich auf bald,

Lutz.


PS: Sorry für das Doppelposting, aber ich wollte noch erwähnen wie unglaublich ich es empfinde, was der V40 aus meinen "alten" und günstigeren Boxen rausholt. Hätte ich den Holzeimern niemals zugetraut, so zu klingen. Kompliment Herr Hoffmann, exzellente Arbeit!!!



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